40 Jahre THW, schöne und prägende Erlebnisse

40 Jahre ehrenamtliche Mitwirkung im THW. Neben Einsätzen wie den Hochwassern an Elbe, Innerste usw., dem Moorbrand in Meppen, der Unterstützung von Polizei und ZOLL im Rahmen der Amtshilfe, Bombenentschärfungen, technische Hilfeleistungen bei der Errichtung von Flüchtlingsunterkünften, die Ausleuchtung der „Nacht von Hannover“ , spannenden Übungen und vielem mehr, erlebte ich prägende, schöne, aber auch traurige Einsätze.

Wie bin ich überhaupt zum THW gekommen? Ein Bericht in der ZDF Sendung „Drehscheibe“ weckte damals im zarten Alter von 15 Jahren mein Interesse am THW. In dieser Chronik blicke ich auf besondere Ereignisse, die ich in 40 spannenden Jahren THW erleben durfte, zurück. Schon  in der Jugendgruppe ging es handwerklich zur Sache. Ich erinnere mich an einen Spielplatz im Stadtteil Roderbruch, den wir renovierten. Als junge, erwachsene Helfer verbrachten wir das eine oder andere Wochenende in freier Natur zeltend bei Hardegsen. Im dortigen Forst reparierten und bauten wir Wetterschutzhütten und Fußgängerbrücken für Wanderer. Dank dem mitgeführten Dekontaminationsmehrzweckfahrzeug (DMF) des ABC-Zuges der Stadt Hannover fehlte es abends nicht mal an einer heißen Dusche. Leckeres vom Grill und die eine oder andere Gerstenkaltschale am Abend gehörte natürlich auch dazu.

Geprägt haben mich sicher die Einsätze während der durch Dürre und politische Umstände verursachten Hungersnot in Äthiopien 1985 und die Hilfsgüterkonvois 1991 in die damalige Sowjetunion. In Äthiopien arbeitete das THW in der Hauptstadt Addis Abeba in der von der GTZ (Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) eingerichteten und der RRC (Relief and Rehabilliation Comission) betriebenen Werkstatt. Neben der Reparatur der LKWs wurde auch die Ausrüstung der Zentralwerkstatt weiter vervollständigt. Wir reparierten, und ich meine reparierten, LKWs. Wir lernten dabei die einheimischen Handwerker in der Werkstatt aber auch z.B. in der Lagerverwaltung an. Durch die Reparatur der vielen zerstörten LKW ermöglichten wir eine Verteilung der weltweit gespendeten Lebensmittel in die Katastrophengebiete und leisteten so einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Hungersnot. Bei den Touren ins Land so hautnah mit Hunger und Elend konfrontiert zu werden, war eine prägende Erfahrung. 1991 durfte ich zwei Hilfsgüterkonvois in die Ukraine und in die Nähe von Moskau begleiten. Wir überbrachten Spenden, bei uns ausrangierte medizinische Geräte, Medikamente, Verbandsmaterial aber auch Spielsachen und Kinderkleidung in Kinderheime und Kinderkliniken. Heute übrigens führen die „Weihnachtstrucker“ der Johanniter Unfall-Hilfe (JUH) einmal im Jahr Spendentransporte nach Südosteuropa unter anderem eben auch in die Ukraine durch.

Ich erlebte die ganz besondere Grenzöffnung/Wiedervereinigung. Viele Besucher die spontan aufbrachen, um ihre neue Reisefreiheit zu genießen, wurden von uns im eigens geöffneten Bunker unter dem Hauptbahnhof aus der Feldküche verpflegt. Wer wollte konnte hier auch übernachten und auf den nächsten Zug Richtung Heimat warten. In Halle/Saale erneuerten wir in einem Alten- und Pflegeheim für Taubblinde die sanitären Anlagen und bauten eine Notrufeinrichtung ein. Mit einheimischen Kräften des Katastrophenschutzes führten wir Deicherhaltungs- Reparaturarbeiten und einiges mehr durch.

Leider gehörten auch nicht so schöne Einsätze wie die Zugunglücke in Northeim und Eschede zu meinen Erlebnissen in 40 Jahren THW.

Auch Highlights gab es einige. Das war nicht nur der Besuch von US-Präsident Barack Obama 2016 in Hannover. Da ist sicher auch der Bau einer Brücke  von Sambesi bis Australien im ZOO Hannover 2003.  Wir bauten die noch heute genutzte Fußgängerbrücke über den Sambesi. Eine besondere Herausforderung für uns war es, eine Brücke nach deutschem Stand der Technik/Statik zu bauen, die aber dem abenteuerlichen Aussehen einer afrikanischen Brücke entsprechen sollte. 2006 konnte ich die WM im eigenen Land genießen. Für den Fall der Fälle, der glücklicherweise nicht eintraf, waren an  allen Spielorten neben Kräften der Polizei,  Feuerwehr und Rettungsdiensten auch THW Kräfte in Bereitstellungsräumen zusammen gezogen worden. Unter anderem eben auch an zwei Standorten in Hannover. Wir verbrachten eine tolle Zeit nutzen sie für Ausbildung, Spiele, Grillabende und genossen natürlich auch die Fußballspiele in unserer „Arena“.  Auch das Bundesjugendlager 2010 in Wolfsburg mit mehr als 4000 Teilnehmern der THW-Jugend aus fast 300 THW Ortsverbänden war ein tolles Ereignis. 2013 in Ostenholz in der Lüneburger Heide und 2015 in Noginsk 50 Kilometer entfernt von Moskau durfte ich das „USAR basic training for youngsters“ begleiten. Mehr als 200 Jugendliche aus 10 Nationen trafen sich in einem Ferienlager, um sich auszutauschen, aber auch während gemeinsamer Ausbildungen und Übungen mehr über den Katastrophenschutz in den jeweiligen Ländern zu lernen. Sie erfuhren aber auch, was internationale  Zusammenarbeit im Katastrophenschutz bedeutet und wie sie funktioniert. Ein tolles spannendes Projekt, da möchte ich doch glatt noch mal in der THW Jugend beginnen.

Pierre Graser