Großübung für das THW

Piep, piep, piep, unsanft werde ich aus dem Schlaf gerissen. Oh Schreck, ist es einer der Rauchmelder im Haus? Raus aus dem Bett dem Geräusch nach kommt es aus dem Wohnzimmer. Erleichterung, es ist kein Rauchmelder, es ist mein Pieper. Samstagmorgen 0:36 Uhr, und was ich lese klingt nicht gut. „Alarmeinsatz Tr Log-V OV Hameln An de LubahnS Meldekopf Heros Detmold 21-10“. Hameln, Heros Detmold, Heros Detmold, ein Ortsverband aus einem anderen Bundesland, oh was kommt da auf uns zu. Inzwischen ist auch meine Frau wach geworden, ich rufe hoch, alles gut dreh dich wieder um, es ist ein Einsatz für das THW. Auch ein Blick auf Divera und WhatsApp liefert noch keine weiteren Informationen.  Kurz mit Tobias unserem Ortsbeauftragten telefoniert, dann rein in die Klamotten und ab in die Unterkunft. 

So wie mir, geht es in den nächsten Stunden ganz vielen THW Helferinnen und Helfern in der Region Hannover. Täglich erleben dies aber auch ganz viele Kameradinnen und Kameraden z.B. der der freiwilligen Feuerwehren und der Rettungsdienste. Mitten aus dem Tiefschlaf von o auf 100. Hut ab vor der Leistung.

Eigentlich bin ich als Pressesprecher ja Teil des Stabes und fahre nicht mit der ersten Einheit raus. Da Reinhard der Truppführer und Kopf der Log-V aber in Frankreich im Urlaub ist, sind sich Tobias und ich schnell einig, ich fahre mit raus und unterstütze die Fachgruppe. In der Unterkunft wundere ich mich über die Anwesenheit von Alexander, er ist Geschäftsführer der Regionalstelle und aus dem hauptamtlichen Bereich. Die Telefongespräche klingen nicht gut. Er ruft seinen LuK Stab zusammen. Inzwischen sind Michael und Frank eingetroffen. Schnell stimmen wir uns ab, sie übernehmen das Thema laden des Fahrzeugs und herstellen der Einsatzbereitschaft, ich kümmere mich um die Nachalarmierung von Helfern und um weitere Informationen. Bisher hatte ich nur die Information wir müssen für ca. 220 Einsatzkräfte  mindestens Frühstück und Mittagessen zubereiten und ausgeben. Auf Grund unserer Personaldecke, der doch sehr unklaren Schadenslage mit dem nicht abschätzbaren Einsatzaufwand lasse ich über Tobias eine Bergungsgruppe zu unserer Unterstützung alarmieren. Auch Lars unser Gruppenführer aus Springe ist auf dem Weg zum Einsatzort, hat aber noch keine weiteren Informationen für mich. Mittlerweile höre ich auf dem uns zugewiesenen Funkkanal mit. Es melden sich THW Einheiten aus Wolfenbüttel, Hameln, und aller 10 THW Ortsverbände der Regionalstelle Hannover. Alexander kommt ins Büro und sagt mir, es gibt seitens der Einsatzleitung die dringende Anfrage nach einen BÖ/Pressesprecher vor Ort. Eigentlich meine klassische Aufgabe, aber als Truppführer der Log-V bin ich diesmal raus. 

Auch mein Pieper, auf dem alle Schleifen des Ortsverbandes liegen, gibt keine Ruhe mehr. Inzwischen ist auch der LuK Stab des Ortsverbandes Hochgefahren, wir haben einen Vollalarm  und während weitere THW Kräfte in der Unterkunft eintreffen, fahren wir mit Blaulicht und Martinshorn nach Hameln. Lars hatte inzwischen schon einen Platz erkundet, an dem wir unsere Küche aufbauen können und kümmert sich um die Strom- und Wasserversorgung.

Noch immer bin ich unsicher, ist es wirklich ein Einsatz oder nur eine Übung? Auf der Anfahrt dann eine Information, die bei mir für Klarheit sorgt. „Die 600 bestellten Brötchen können um 5:00 Uhr beim Bäcker abgeholt werden, und auch der Marktleiter eines großen Marktes in Hameln wartet ab 5:00 Uhr darauf, dass wir die benötigten Lebensmittel abholen“.  Okay bei einer solchen Einsatzgröße denkt in der Einsatzleitung nachts eher keiner an die Bestellung von Brötchen, das kann nur eine Übung sein, denke ich mir. Ich spreche mit meinen Kameraden und nehme gerade auch für die Kraftfahrer, die trotz der angespannten Situation gerade mit Sonderechten sehr aufmerksam und umsichtig fahren, den Druck raus.

Vor Ort läuft alles wie einstudiert. Michael und Frank kümmern sich unterstützt von Patrick und Benjamin aus der Bergungsgruppe um den Aufbau, ich nehme Kontakt zur Einsatz- Übungsleitung auf und plane unser weiteres Vorgehen.  

Die Einsatzstelle füllt sich, es treffen immer mehr bekannte Gesichter ein. Lukas und Tobias, die Ortsbeauftragten aus Burdorf und Hameln hatten sich für die verschiedensten Einheiten und Fachgruppen Szenarien ausgedacht.

Ob nun bei der Ausleuchtung des Geländes, dem Verlegen einer 450 Meter langen  Schmutzwasserleitung für die Pumpen der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen, die auch noch eine Straße querte, bei der Suche nach verletzten Personen in  verqualmten Gebäuden, die gerettet werden müssen, beim Füllen, Transport oder dem Verbau der Sandsäcke, der Einspeisung von Strom mittels der beiden NEAs,  immer wieder ist auch Improvisationstalent gefragt. Auch wir bleiben nicht verschont. Eine fehlende Trinkwasserleitung z.B. stellt uns vor eine Herausforderung. Eine Übung bei der Kameradinnen und Kameraden  mitten in der Nacht alarmiert werden, und dann kein Kaffee vor Ort. Ein no go. Also brühte Wolfgang  wie bei Oma zuhause die knapp 100 Liter Kaffee von Hand auf. Das  Trinkwasser dafür hatten wir vorsorglich noch in der Unterkunft abgefüllt und kochten es nun in der Feldküche.

Um 11:30 Uhr hatten wir es geschafft, auch für uns war die Übung beendet. Wir hatten alles aufgeladen und machten uns auf den Rückweg. In der Unterkunft wurden die Fahrzeuge entladen, die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt und natürlich gab es noch einen Klönschnack mit unseren Kameradinnen und Kameraden, die ebenfalls an der Übung teilnahmen. Um 14:00 Uhr war ich dann ziemlich geschafft zuhause und freute mich auf die Dusche und eine Mütze voll Schlaf.

Pierre Graser