Die Spezialisten - 1994 bis 2002
1994/95 - Modern, effektiv und immer noch schlagkräftig
Nach der Wiedervereinigung 1991 standen für das THW Hannover große Veränderungen ins Haus. Durch die veränderte Bedrohungslage für Deutschland sollte auch die Zivilschutzorganisation des Bundes verkleinert werden. Das machte der damalige Bundesinnenminister Kanter 1994 bei seinem Besuch in der Unterkunft klar.
Die drastische Schrumpfung des Ortsverbandes stellte die Moral der Helfer auf eine harte Probe. Die THW-Neustruktur schrieb vor: Fünf Züge mussten aufgelöst werden. 1995 war die Umstrukturierung abgeschlossen, 150 Helfer übriggeblieben. Der Grundtenor: Klasse statt Masse.
Nach dem neuen modularen Konzept der Bundesanstalt muss nicht mehr jeder Ortsverband alle Einsatzbereiche alleine abdecken können. Jeder OV hat nun sein Spezialgebiet, die Schlagkraft des THW insgesamt bleibt erhalten. Aus den ehemaligen Bergungszügen (BZ) wurden nun die Technischen Züge (TZ). Zwei davon blieben in Hannover bestehen mit den Fachkomponenten Wasserschaden/Pumpen und Infrastruktur. Zudem blieb die Verpflegungskomponente am Standort, als Untereinheit der in Springe stationierten Fachgruppe Logistik.
Die neue Fachausstattung kam den Helfern des OV 1997 in ihrem Einsatz beim Oderhochwasser zugute. In Eisenhüttenstadt wässerten sie den Boden eines Sportplatzes, damit die Transporthubschrauber, die gefüllte Sandsäcke abholten, nicht den Sand aufwirbelten. Der Verpflegungstrupp bereitete bis zu 3.600 Mahlzeiten täglich zu. Ebenfalls in die tausende gingen auch die Sandsäcke, die die Hannoveraner im Einsatzgebiet verteilten - Manpower ist in Hannover nach wie vor Trumpf.
Zweimal standen anschließend Zugunglücke im Mittelpunkt des Einsatzgeschehens. Ende 1997 stieß ein Güterzug mit einem Personennahverkehrszug in Anderten zusammen. Vier Kesselwaggons mit Diesel brannten aus, etliche Personen wurden verletzt. Sieben Tage lang waren die Helfer mit Ausleuchten der Einsatzstelle, Entfernen von verbrannten Bäumen und Buschwerk und Brennschneidarbeiten zur Trennung der Waggons beschäftigt.
In Erinnerung bleibt allen Helfern der Einsatz bei der Zugkatastrophe in Eschede im Juni 1998. Ihre Erlebnisse bei der Bergung eines Waggons, beim Ausleuchten, bei der Durchführung von Transportaufgaben und der Versorgung der Hilfskräfte haben viele bis heute noch nicht vollständig verarbeitet.
Besondere personeller und logistischer Aufwand musste 1999 im Vorfeld der Weltausstellung EXPO 2000 gemeinsam mit der Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen betrieben werden, um auf dieses Großereignis gut vorbereitet zu sein.
Den Jahrtausendwechsel beging der Ortsverband Hannover in ungewöhnlicher Form: Wegen befürchteter Computerprobleme beim Umschalten auf das Jahr 2000 und dem damit verbundenen öffentlichen Chaos, gab es verstärkten Bereitschaftsdienst in der Unterkunft - ein besonderes kameradschaftliches Erlebnis.
Das befürchtete Computerchaos zum Jahreswechsel blieb aus. Eine gewisse Konfusion schaffte jedoch die Einführung des bundesweiten Softwarenetzwerkes THWin im Jahr 2000. Mittlerweile sind jedoch die Anlaufschwierigkeiten überwunden und der Ortsverband Hannover ist auch in diesem Bereich fit für das neue Jahrtausend.
Gefragt sind die Spezialisten des modernen THW mittlerweile auch bei der Berufsfeuerwehr Hannover. Beim VW-Großbrand Anfang 2002 in Stöcken wurden die Ehrenamtlichen gerufen, um den Feuerwehreinheiten einzuleuchten.


