Die Wendezeit - 1990 bis 1994
1989 - Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, mit diesen Worten von Michael Gorbatschow, dem letzten Generalsekretär der Sowjetunion, an Erich Honnecker, dem damaligen Chef der DDR, wurde nicht nur die politische Wende im Ostblock eingeläutet, sondern auch ein neues Kapitel für den Ortsverband Hannover eröffnet.
Als 1989 die ersten Eisenbahnzüge aus der damaligen DDR mit vielen hundert Besuchern nach Hannover einliefen, standen die Helfer des THW Ortsverbandes Hannover bereit. Sie betreuten die erschöpften Gäste im Luftschutzbunker unter dem Hauptbahnhof.
Weitere Bunker und Turnhallen wurden für den Ansturm müder DDR-Bürger hergerichtet. Endlich konnte auch die neue Unterkunft des Ortsverbandes zu voller Wirkung kommen. Die großzügigen Unterrichtsräume wurden in Schlafräume umgewandelt. Genügend Feldbetten waren vorhanden, die sanitären Einrichtungen ohnehin für viele Nutzer vorgesehen.
Nachdem sich die erste Aufregung der Wendezeit gelegt hatte, hatte man Kontakte in die DDR geknüpft. Schnell waren sich die Verantwortlichen hüben wie drüben einig: Der OV Hannover sollte bei der Substanzsicherung und Aufbauarbeit in Halle an der Saale helfen. Eine große Wochenendübung war bald ausgearbeitet.
Im Juni 1990 machte sich eine riesige Wagenkolonne – mit 120 Helfern des Ortsverbandes Hannover und 24 Fahrzeugen – auf den Weg zum Hilfseinsatz in Halle/Saale in der DDR.
Es galt eine 20 Meter lange Fußgängerbrücke zu sanieren, einen 2. Weltkrieg-Bunker zu öffnen und das Dach eines Wohnhauses provisorisch mit Plastikplanen abzudichten. Eine weitere Aufgabe für die Helfer aus Hannover: Ein Saaledeich, der die Kläranlage der Stadt vor Überschwemmungen schützte, musste von Bewuchs befreit werden. Das Besondere an diesem Job: Die sowjetische Rote Armee unterstützte die Arbeiten mit Soldaten.
Eine harte Nuss hatte der Instandsetzungszug zu knacken. Er war damit beschäftigt, ein Blindenpflegeheim zu renovieren und behindertengerechte Bade- und Duschgelegenheiten, Toiletten und Waschbecken einzubauen sowie eine Notrufanlage zu installieren. Eine Herkulesaufgabe, die die Einheit noch über diese Wochenendübung hinaus in Gang hielt. Die guten Kontakte zwischen dem THW Hannover und den zuständigen Mitarbeitern der Zivilverteidigung in Halle sorgten dafür, dass die Helfer aus der Leinestadt maßgeblich an der Gründung des Ortsverbandes in der Saalestadt beteiligt waren.


