Die Anfänge - 1952 bis 1984
Die Anfänge des THW in Hannover sind fast schon in Vergessenheit geraten. Mit viel Einsatzbereitschaft, Idealismus und – situationsbedingt, leider auch – Leidensfähigkeit sind die Helfer der ersten Stunde den Widrigkeiten von unzureichendem Material und desolater Unterbringung entgegengetreten.
1952
Die Geburtsstunde des THW in Deutschland wird auf den 22.08.1950 datiert. Otto Lummitzsch, ehemaliger Leiter der bei Kriegsende zwangsweisen aufgelösten Technischen Nothilfe gründet eine Bürgerinitiative als zivile Hilfsorganisation. Ein Jahr später erhält diese ihren endgültigen Namen: THW = Technisches Hilfswerk. Wiederum ein Jahr später wird der OV Hannover gegründet, der Kamerad Degenhard wird erster Ortsbeauftragter. 1953 erhält das THW den Rechtsstatus einer nicht rechtsfähigen Bundesanstalt durch den damaligen Bundesinnenminister Dr. Gustav Heinemann. Die ersten Gerätesätze und Arbeitsanzüge werden den Ortsverbänden zur Verfügung gestellt, die THW-Schule Marienthal beginnt mit der Ausbildung der Ausbilder.
Eigentlich eine durchweg positive Entwicklung, die sich recht flüssig in der Zeitleiste lesen lässt. Doch dahinter stehen in Hannover seit der OV-Gründung am 12.06.1952 rund vierhundert freiwillige Helfer, die in provisorischen Unterkünften, verstreut über das ganze Stadtgebiet, untergebracht sind. Immer wieder wird ein- und ausgezogen. Geräte und Fahrzeuge, die Verwaltung, sind zeitweise an sechs verschiedenen Stellen in absolut unzureichenden und teilweise baufälligen Liegenschaften untergebracht.
Da ist zum Beispiel das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Bemerode. 1975 wird die erste Bergungsbereitschaft von dort aus in den Bunker in der Hildesheimer Straße 339 verlegt, die Fahrzeuge aber verbleiben in Bemerode. Dort sind auch die Garagen des Fuhrparks der zweiten Bergungsbereitschaft, die wiederum in ein altes Werksgelände an der Vahrenwalder Straße umziehen muss. Angeblich beides nur kurzfristiges Übergangslösungen...
Weitere Domizile: Der Hochbunker in der Vahrenwalder Straße und die Unterkunft in der Kollenrodtstraße Fahrzeuge und Geräte in einem damaligen Gesamtwert von etwa einer Millionen D-Mark waren in alten Schuppen untergebracht, in denen es teilweise hineinregnete.
Toiletten (wenn überhaupt vorhanden) fungierten als Gerätekammer, Flure wurden zur Kleiderkammer ausgebaut und alte Küchentische dienten den Gerätewarten als Werkbänke. In sogenannten „Aufenthaltsräumen“ lief das Wasser durch die Decke. Weder Unterkünfte noch Werkshallen waren beheizbar.
Die Tages-„ordnung“ bestand aus durchgerosteten Hallentoren, Hallen mit verbogenen Stahlträgern und angefaulten Holzbalken sowie vom Schwamm befallenen Wänden.
Das THW Lager in Bemerode musste geräumt werden, da dort Vandalen die Scheiben eingeworfen und mit Steinen Fahrzeuge beschädigt hatten. Die standen anschließend unter freien Himmel auf einem zwar umzäunten, aber unbewachten Parkplatz. Technische komplizierte Hilfeleistungen wurden erwartet, aber für die Ausbildung standen nur unzulängliche Mittel bereit. Ein Bergungszug von 50 Männern zwängte sich in einem provisorischen Schulungsraum zusammen, minimalistisch ausgerüstet mit gerademal Holztischen und Stühlen.
Schon damals war mehr als offensichtlich, das im Katastrophenfall wertvolle Stunden verloren gehen würden, bevor sich alle Einheiten versammelt und die Gerätschaften und Fahrzeuge zusammen gestellt hätten.
70er Jahre
Die Bauplanung für den Standort Wiesenau ist in den Anfängen rückdatierbar bis ins Jahr 1976 / 1977. Jahrelang wurde geplant, kalkuliert, diskutiert, verworfen - in der Bundesanstalt THW, im Bundesamt für Zivilschutz, Bonn, im zuständigen Amt der Landeshauptstadt Hannover, im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages und in den Ratsfraktionen. In der Zwischenzeit macht sich Frust bei den Helfern breit, sie traten die Flucht in die Öffentlichkeit an und überreichten eine Bilddokumentation an Presse, Funk und Fernsehen, an Bundestagsabgeordnete, an den Bundesminister des Inneren, an die Bezirksregierung Hannover, an die Oberstadtdirektion, an die Fraktionen des Rates und an die Führungsgremien der Bundesanstalt des Technischen Hilfswerkes.
1979, kurz bevor der Bundesinnenminister endlich das OK zu dem 4,5 Millionen-Mark-Projekt gab, kam ein (wenn auch nur kurzfristiger) Rückschlag, von einer Seite, von der gerade die freiwilligen Helfer es nie vermutet hätten: Der Landesverband Niedersachsen legte Einspruch zur Standortwahl ein. Den vierundzwanzig festangestellten Mitarbeitern sei es nicht zuzumuten gewesen, „von der letzten Haltestelle bis zum Grundstück jedes Mal 3,7 Kilometer durch unbewohntes Gebiet zu laufen – von den monatlichen Mehrkosten für Verpflegung und Transport von 80 bis 250 Mark“ mal ganz abgesehen. Dagegen standen 400 Helfer, die unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten mussten.
Fast wäre es zu einem Massenaustritt der freiwilligen Helfer in dieser Zeit gekommen. Der Ortsbeauftragte Günter Cyriacks drohte zwischenzeitlich damit, sämtliche Helferausweise einzusammeln und im Landesverband abzugeben – damit wäre der Ortsverband faktisch aufgelöst gewesen. Soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen, Hauptamt und Ehrenamt einigten sich auf die heutige Lösung.


